17 August 2019 – #07 – ITA/Grand Paradiso – 4061 m ü. NHN

Der höchste Gipfel der Grajischen Alpen und – neben der Barre des Écrins – einzige Viertausender der Südalpen ist ein wahrhaft majestätischer Berg. An topographischer Prominienz steht er unter den Viertausendern der Alpen gar an sechster Stelle: Nur der Mont Blanc, der Monte Rosa, das Finsteraarhorn, der Piz Bernina und die Barre des Écrins weisen eine höhere Prominenz auf. Hinzu kommt die grandiose zentrale Lage: Im Norwesten und Norden befinden sich die Berge des Montblanc-Massivs und die Viertausender von Matterhorn bis zur Monte Rosa, im Westen die Dreitausender der Vanoise und der Dauphiné, und schließlich ist im Süden über dem Dunst der Poebene in der Ferne sogar der Monviso zu sehen. Schon seit längerem war es ein Traum, den Gran Paradiso zu besteigen, und am 16./17. August 2019 konnten ich den Gipfel dieses klassischen Viertausenders erreichen. Hinweis: ich habe den Berg solo, ohne Seilpartner, bestiegen, zu dem Zeitpunkt der Besteigung hatten die beiden Gletscher nahezu keine Spalten und lediglich eine gut überwindbare Randkluft. Dies kann sich selbstverständlich jederzeit ändern. Ich hatte wenige Tage zuvor einen Bild-/Video Hinweis über die Bedienungen erhalten und habe spontan die Tour geplant. Eine Solo Tour über Gletscher muss gut überlegt und abgewogen sein, und ist grundsätzlich niemals zu empfehlen. Ich habe die Tour mit meiner Partnerin zusammen unternommen, sie hat am Gipfeltag etwas länger schlafen dürfen 😉, da ich den eigentlichen Gipfelanstieg früh morgens allein unternommen habe.

Die Hochtour beginnt am Freitag nachmittag in Pont am Ende des Valsavaranche. Vom Parkplatz geht es zunächst in südlicher Richtung einen guten Kilometer taleinwärts. Der Gran Paradiso ist vom Tal aus noch nicht zu sehen, aber der eindrückliche Dreieinhalbtausender Becca di Monciair ist im Blickfeld. Der Hüttenweg zum Rifugio Vittorio Emanuele II, der zunächst linke Hand steil in den Wald führt, ist insbesondere im unteren Teil liebevoll angelegt, immer wieder sind Stellen mit Natursteinen gepflastert und befestigt. Nach einigen Serpentinen oberhalb der Baumgrenze legt sich das Gelände zurück, und wir passieren die Ruine der Alm Lo Tsante auf 2340 m, von hier geht es noch 400 Höhenmeter in östlicher Richtung zur Hütte. Das Rifugio Emanuele II liegt in aussichtsreicher Lage an einem kleinen See mit eindrucksvollem Blick auf Tresenta, Chiarforon und Becca di Monciair; der Gran Paradiso ist aufgrund der Felsabbrüche, die von der Becca di Moncorvé kommen, nicht zu sehen.

Der Aufbruch am nächsten Morgen erfolgt bereits um 3.45 Uhr noch bei völliger Dunkelheit. Da aktuell, zum Glück, Vollmond war, hätte ich das ganze theoretisch bis auf den Anfang ohne Stirnlampe laufen können. Durch das grobe Blockfeld hinter der Hütte muss man sich allerdings dann doch mit der Stirnlampe in der Tat von Steinmann zu Steinmann orientieren, um auf dem Weg zu bleiben. Nach dem Geröllfeld geht es einen steileren Hang hinauf, und von dort weisen Steinmänner auf eine Moräne, der man bis zum Ende folgt. Von dort geht es einen Felsabsatz hinauf (I) und auf einem flachen Bergrücken bis an den Rand des Lavaciau-Gletschers.

Der Lavaciau-Gletscher hat wohl grundsätzlich in seinem mittleren Teil mehrere tiefe Spalten, die umgangen werden müssen, bei mir war allerdings nichts davon zu sehen. Um auf die Schiena d´Asino zu gelangen, sind dann wieder einige steilere Schritte zu bewältigen. Ab hier herrscht ein eisiger Wind, und da der Anstieg nordseitig erfolgt, dauert es bis zum Erreichen der Becca di Moncorvé, ehe die wärmende Sonne ins Gesicht scheint.

Aufgrund des Andrangs wird auf der Hütte bereits darauf hingewiesen, dass Auf- und Abstieg jeweils nur in einer Richtung erfolgen sollen. Man quert zunächst unterhalb des Gipfels in den Felsen nach Westen, dann sind mehrere Tritte in den Fels gelassen, und es geht ein paar Meter senkrecht nach oben, dann steht man auf dem Gipfelfelsen. Von der Madonna geht es nun auf den Felsen und ein paar Meter direkt am senkrechten Abbruch der Südwand wieder zurück durch den Felsen und auf den Gletscher. Es sind überall Sicherungspunkte. Erzählungen nach, kann der letzte Gipfelanstieg wohl über 1-2 Stunden dauern, ich war allerdings so früh dran (kurz nach Sonnenaufgang), dass ich zum Abstieg die sichere Variante zurück über die Tritte gegönnt habe, da bei mir noch NOCH (!) nichts los war und damit niemanden blockiert habe. Empfehlung an der Stelle, lieber nochmal eine Stunde früher los… und das ganze bei Sonnenaufgang im Sommer doch relativ ohne Stress genießen.

Der Abstieg über den Eselsrücken und den Paradisogletscher erfolgt zügig im noch gefrorenen Schnee (Im Tagesverlauf allerdings wohl häufig Sulzschnee); das Geröllfeld vor der Hütte war jetzt nur aufgrund der leichten Müdigkeit, nicht aber vom Weg her schwierig, und dann war bei der nun sich langsam gefüllten Hütte erst einmal eine ausgiebige Rast angesagt. Der Abstieg ins Tal hat dann noch einmal gut anderthalb Stunden gedauert.

Fazit und Schlussbemerkungen:

Der Nationalpark ist eine grandiose Landschaft, und man bewegt sich beständig im Angesicht des Mont Blanc und der umgebenden Bergwelt. Der Gran Paradiso wird zu den Einstiegsviertausendern gerechnet; diesem Urteil möchte ich nicht unbedingt widersprechen. Auch wenn anders als am Breithorn oder am Allalinhorn, hat man keine Seilbahn zur Verfügung, sondern muss den Höhenunterschied von 2.100 m zu Fuß bewältigen; der Berg ist konditionell durchaus anspruchsvoll, am Gipfel bewegt sich die Kletterei im IIer-Bereich mit z.T. gewaltig viel Luft unter den Füßen. Der Lavaciaugletscher ist wohl je nach Jahreszeit aufgrund der Spaltenzone ernst, während am Paradisogletscher hingegen die Spaltengefahr minimal ist. Alles in allem ist der Gran Paradiso ein großartiger Berg, der in jedem Fall eine Besteigung Wert ist. Ich bin sehr dankbar, den Gipfel bei derart guten Wetter- und Gletscherbedingungen und erreicht zu haben!

Schwierigkeiten und Zeiten:
Pont – Rifugio Vittorio Emanuele II: 2 Std. (T 2-3)
Rifugio Vittorio Emanuele II – Ghiacciaio di Lava2ciau: 1,5 Std. (T 4, I)
Ghiacciaio di Lavaciau – Gipfelaufbau Gran Paradiso: 2,5 Std. (WS, T4, II)
Abstieg via Ghiacciaio del Gran Paradiso zum Rifugio: 2,5 Std. (L, T 4)
Abstieg ins Tal: 1,5 Std. (T 2-3)

22 Februar 2018 – #06 PRT/Torre – 1993 m ü. NHN

Mit einer Höhe von 1.993 m ist dieser die höchste Erhebung im „Sternen-Gebirge“ Serra da Estrela und auch die „Nummer 1“ auf dem portugiesischen Festland. Lediglich der Pico auf der gleichnamigen Azoren-Insel übertrifft ihn noch als Landeshöhepunkt.
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29 Dezember 2017 – #03 #04 #05 – BeNeLux „Gipfel“

Zugegeben wirklich schwierig und konditionell anstrengend ist es wirklich nicht die höchsten Erhebungen BeNeLux zu besteigen. Aufgrund eines privaten Ereignisses in der Gegend und den drei naheliegenden Erhebungen wurden diese daher alle am 29.12.2017 bestiegen.

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21 Oktober 2017 – #02 – LIE/Vordere Grauspitz – 2599 m ü. NHN

Der Vorder Grauspitz (auch Ruchberg genannt) ist mit 2599m der höchste Gipfel Liechtensteins. Er liegt im Süden des Fürstentums auf der Grenze zur Schweiz (Graubünden). Auf der Liechtensteinischen Nordseite ist er ein abweisender Felsgipfel aus Kalk, von Süden dagegen ist er eher ein felsdurchzogener Schutthaufen. Nach Westen zieht ein luftiger und mässig schwieriger Grat zum Falknis; nach Nordosten ein einfacherer aber dennoch luftigen Grat zum Hinter Grauspitz mit dem Grauspitzsattel P.2502m dazwischen. Weiterlesen

08 August 2017 – #01 – DEU/Zugspitze – 2962 m ü. NHN

Ausgangspunkt ist die Talstation der Tiroler Zugspitzbahn in Ehrwald, gegen 8:05 geht es los. Nach einem überwundenen Höhenunterschied von 1735 Meter stehe ich 2 Stunden 55 Minuten später auf dem höchsten Gipfel Deutschlands. Weiterlesen